Dr. Friedrich Reitzig, Pfr.i.R.
Dr. Friedrich Reitzig, Pfr.i.R.

Schmückt das Fest mit Maien ...

 

Wieder ist es Mai geworden. Die Natur erstrahlt in neuem Glanz. Die Bäume blühen und werden wieder grün. Die Blumen zeigen ihre ganze Pracht. Der Mai, er macht alles neu und trägt zu Recht das Prädikat „Wonnemonat“. Entsprechend zieht es einen nach draußen. Man genießt das frische Grün, -den Gesang der Vögel, die Wärme der Sonne und anderes mehr. Der ganze Mensch lebt auf und nimmt mit allen Sinnen wahr, was da geschieht, – das Leben in seiner ganzen Fülle, mit all seinen Formen und Farben. Man kann in diesem Reichtum regelrecht schwelgen und bekommt gar nicht genug davon. Schön, wenn man dann auch noch in Kur ist und Zeit hat, all diese Dinge in sich aufzunehmen.

Spielt das Wetter aber nicht mit, ist das Wehklagen groß. Eine einzige kalte Nacht oder etwas Regenwetter zeigen, wie anfällig und vergänglich die ganze Pracht ist. Manchmal sind es nur „Kleinigkeiten“, die große Auswirkungen haben und die Situation von jetzt auf nachher verändern.

 

Eine Erkenntnis, die sich ohne weiteres auf das Leben insgesamt übertragen lässt. Unvermittelt stehen wir dann vor der Frage, ob wir die Prioritäten richtig gesetzt haben oder zu oft an allzu Vergänglichem hängen. Allein der Blick aus dem Fenster zeigt uns den Wandel mehr als deutlich und lässt uns doch stets neu über Gottes Schöpfung staunen über der am Ende stand: „Und siehe, es war sehr gut!“

 

Doch damit nicht genug. In diesen Maitagen begehen wir zwei große Feste, – Himmelfahrt nämlich und Pfingsten. Sie möchten uns ebenfalls zum Staunen einladen und zur Freude. Sie möchten uns auf Gott hinweisen, der uns nicht nur über seine Schöpfung Großes anvertraut hat, sondern der sich um unseres Heils willen in seinem Sohn zu uns auf den Weg gemacht hat. Entsprechend der Schönheit der Schöpfung möchte er durch die Auferstehung Jesu zum Ausdruck bringen: Er will unser Leben und unsere Zukunft, – und zwar jenseits dieser Welt. Wir nennen es Himmel und meinen doch nicht das Blau des Firmaments, sondern eine Welt ohne Leid und Vergehen, – ein Sein in der Nähe Gottes ohne Angst geprägt von Geborgenheit und Liebe. Manche nennen es Paradies.

Am Himmelfahrtsfest werden wir daran erinnert, dass Jesus uns in diese Welt vorausgegangen ist, und wir in froher Erwartung seiner Wiederkunft leben dürfen. Und Pfingsten erzählt uns, dass Gott eine Brücke zu uns Menschen geschlagen hat, indem er seinen Geist auf seine Jünger ausgegossen hat, – einen Geist, der verbindet, der tröstet, der in der Hoffnung bestärkt und Gemeinschaft schafft. Pfingsten, der Geburtstag der Kirche, verkündet: Eine neue Zeit hat begonnen, -eine neue Sicht des Lebens, das bei Gott seine wahre Heimat hat.

 

Dieses Neue lohnt gefeiert zu werden, – mit Herz und Mund, -nicht nur im übertragenen Sinn, sondern mit allen Sinnen. Deshalb ruft der Psalmbeter (118,27) dazu auf: „Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars.“ Um Gott zu loben, ist das Schönste und Beste gerade gut genug. Das frische Grün als Zeichen neuen Lebens, das auch aus Gottes guten Händen kommt, verbindet sich mit dem großen Wort Jesu (Offbg. 21,5) „Siehe, ich mache alles neu!“ – nicht nur jetzt im Mai, sondern am Ende der Zeit in einer jetzt noch kaum vorstellbaren Weise.

Etwas von der Vorfreude auf jenen Tag und dem Staunen darüber wünsche ich uns allen und damit einen rechten Wonnemonat Mai.

 

Ihr Kurseelsorger

Pfr. Friedrich Reitzig

 

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