Dr. Friedrich Reitzig, Pfr.i.R.
Dr. Friedrich Reitzig, Pfr.i.R.

S.D.G.

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

bald ist Erntedank. Viele Gottesdienste werden von Kindern aus dem Kindergottesdienst und vom Kindergarten mitgestaltet. Die Kinder werden dafür sicherlich mit Beifall bedacht werden. Manche ältere Gottesdienstbesucher sehen das mit Zwiespalt. Im Gottesdienst hat man früher nicht geklatscht. Denn der Gottesdienst wird ja zur Ehre Gottes gefeiert.

 

Ja, zur Ehre Gottes feiern wir alle unsere Gottesdienste. Aber bei einer Hochzeit geht es auch um das Brautpaar und bei einer Beerdigung wäre es falsch, das Leben des Verstorbenen nicht ehrend in den Blick zu nehmen. Auch wenn ein Jahrgang mit dem Gottesdienst seine Feier beginnt, halte ich es für richtig, die Menschen und ihren Anlass zu würdigen. Und bei der Taufe geht es auch um den Täufling und seine Familie, geradeso wie bei der  Konfirmation die Konfirmanden mit ihrem Bekenntnis im Mittelpunkt stehen.

 

Johann Sebastian Bach  und Georg Friedrich Händel (beide lebten zur gleichen Zeit) haben über ihre Werke drei Buchstaben gesetzt: SDG. „SOLI DEO GLORIA“ sollte ihre Musik aufgeführt werden. Allein zur Ehre Gottes. SDG sollen auch unsere Gottesdienste gefeiert werden.

 

Verträgt sich also Beifall und der Ruhm der Menschen mit diesem Ziel?

 

Ich finde schon. Wichtig ist dabei sicherlich, dass die Menschen, um die es geht in ihrem Verhältnis zu Gott gesehen werden. Täuflinge werden in die Gemeinde aufgenommen, in der das Evangelium verkündigt und gelebt wird. Konfirmanden stehen Rede und Antwort über ihr Verhältnis zu Gott und versprechen, in ihrem Leben Gott Herr sein zu lassen. Jahrgänger blicken in der Regel auf eine lange Lebensspanne zurück – da macht es doch Sinn dies Leben anzusehen - natürlich vor allem unter der Frage: welche Rolle hat Gott gespielt? Hat er denn nicht geführt und geleitet? Verdanken wir nicht alle unser Leben diesem einen Gott?

 

Diesem einen Gott, unserem Gott. Unser Gott ist – und das ist wohl ganz entscheidend – keine unnahbare Majestät, die irgendwo weit weg im Himmel thront. Unser Gott ist der, der sich selbst zum Menschen gemacht und damit gezeigt hat, dass der Mensch, dass wir ihm wichtig sind.

 

Jesus hat Menschen wahrgenommen; ihr Leben ist nie außen vor geblieben.

 

Deshalb finde ich es in Ordnung, wenn wir Menschen auch in unseren Gottesdiensten in den Blick nehmen; wenn wir ihren Lebenslauf würdigen und ihren Glauben ernst nehmen und wenn wir ihre Bemühungen mit freundlichem, ermutigenden Beifall bedenken. Schon deshalb, weil Jesus selbst so ermutigend und freundlich auf Menschen reagiert hat.

 

Ich finde es in Ordnung, solange wir nicht vergessen, dass all unser Tun in Gottesdiensten natürlich nur dem einen dient: der Ehre Gottes.

 

Der Ehre Gottes – na klar. Wir feiern Gottesdienst zu Ehren des Gottes, der uns Menschen ins Leben ruft, der uns liebt, der uns versorgt, der uns in Not weiterhilft und der uns in dieser wunderbare Welt mit dem versorgt, was wir brauchen.

 

Deshalb feiern wir Erntedank – mit den Früchten unserer Welt und unseres Lebens. Und wir feiern es in Dankbarkeit und SDG – allein zu Gottes Ehre.

 

Barbara Vollmer-Backhaus, Pfrin. 

Autograph Georg Friedrich Händels
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