Dr. Friedrich Reitzig, Pfr.i.R.
Dr. Friedrich Reitzig, Pfr.i.R.

„Sei getrost und unverzagt,
fürchte dich nicht und lass dich nicht erschrecken!“

 

Liebe Leserinnen und Leser!
Da wird einem der Rücken gestärkt und der Blick nach vorne gerichtet. Es sind Worte eines Vaters an seinen Sohn, der seine Aufgaben übernehmen soll, sich dafür aber zu klein fühlt. Zu groß scheinen die Schuhe zu sein, in die er schlüpfen soll, und damit auch die Erwartungen, die es zu erfüllen gilt. Der Sohn gehört also nicht in die Kategorie der Besserwisser, die nicht schnell genug die Hebel der Macht und des Lebens in die Hand bekommen können. Er prescht nicht nach vorne nach dem Motto „Lass mich mal ran. Ich kann das schon“. Er kann warten. Zurückhaltung und Besonnenheit scheinen ihn auszuzeichnen, gepaart mit einer gehörigen Portion Respekt für die zu übernehmende Aufgabe samt den damit verbundenen Hoffnungen und Erwartungen.
Der Vater dagegen weiß um seine Zeit und dass es für den Sohn Zeit ist und Zeit wird. Nicht mit Gewalt drängt er ihn nach vorn, sondern schiebt ihn sanft, aber bestimmt seiner neuen Aufgabe entgegen. Ein Wort der Ermutigung gibt er ihm auch mit auf den Weg. Er vertraut seinem Sohn, und er traut ihm etwas zu. Er weiß, was in ihm steckt, und hat keinen Zweifel an seinen Fähigkeiten. Es ist also ein besonders inniges Verhältnis, das beide auszuzeichnen scheint. Doch das allein wäre wohl nicht genug. Beide verbindet auch ein inniges Verhältnis zu Gott, auf den der Vater seinen Sohn an dieser Stelle besonders verweist und von dem her er ihm Mut macht: „Mit Gott an der Seite blicke mutig nach vorn. - Sei getrost und unverzagt, fürchte dich nicht und lass dich nicht erschrecken!“
Das Paar, von dem hier die Rede ist, trägt große Namen. Es ist David und sein Sohn Salomo. Und die Szene, auf die hier Bezug genommen ist, findet sich in 1. Chronik 22, 13. Es handelt sich um eine biblische Vater-Sohn-Geschichte und auch -Beziehung. Eine Vater-Sohn-Geschichte, die uns vor die Frage stellt, was zeichnet unsere Vater-Sohn-/Mutter-Tochter-Beziehungen aus? Was geben wir einander mit auf den Weg, wenn wir den Stab von einer Generation an die nächste reichen? Haben wir ein Fundament, dem wir uns gemeinsam verpflichtet fühlen? Wie rücksichtsvoll gestaltet sich unser Umgang miteinander? Als Ältere müssen wir uns fragen lassen: Können wir los lassen und mit warmen Händen weitergeben, weil wir wissen, die nächste Generation wird zwar andere Entscheidungen treffen als wir, aber in derselben Verantwortung vor Gott, wie wir es zu tun pflegen? Das wäre eine gute Vertrauensbasis. Und die Jüngeren müssen sich fragen lassen: Sind wir für das Neue wirklich gerüstet? Können wir warten, bis unsere Zeit gekommen ist? Und können und wollen wir auf der Wertebasis unserer Eltern und Voreltern weiter leben und arbeiten? Mit Gott auf der Seite darf jeder, der den Schritt Richtung Zukunft und damit in ein neues Stück Leben wagt oder wagen muss, sich zurufen lassen: „Sei getrost und unver-zagt, fürchte dich nicht und lass dich nicht erschrecken!“
In diesem Sinn wünsche ich uns allen diese fröhliche und getroste Gelassenheit für die großen und kleinen Herausforderungen unseres Lebens
Ihr Pfr. Friedrich Reitzig, Kurseelsorger.

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