Dr. Friedrich Reitzig, Pfr.i.R.
Dr. Friedrich Reitzig, Pfr.i.R.

Drei oder einig?

 

Liebe Leserinnen und Leser,

ein Satz wie dieser animiert zu einer Stellungnahme, klingt er doch nach einem „entweder … oder“ und verlangt scheinbar nach einer Entscheidung. Aber ist hier überhaupt eine Entscheidung möglich? Drei oder einig, werden da nicht Äpfel mit Birnen verglichen? Muss da das eine das andere ausschließen? Könnte es nicht auch heißen drei und einig? Will man hierauf eine Antwort geben, dann man muss um den Sachverhalt wissen, um den es geht. Drei als Gruppe können sich ja durchaus einig sein, wenn sie ein gemeinsames Ziel haben, bei einer Wanderung etwa. Sie können sich auch in ihrer Meinung verbunden wissen, z.B. im Blick auf politische Ziele, Wirtschaftsprojekte, Gesundheitsvorsorge und vieles andere mehr. Ja, man kann sich sogar einig sein, wenn man sich nicht einig ist, indem man sich gemeinsam zu den bestehenden Differenzen bekennt und sich über den Fortbestand der Unterschiede einig ist. Doch wie dem auch sei, die Drei bleiben in jedem Fall je eigene Personen, voneinander geschieden, also nicht vereint. Drei oder einig ist also eine schwierige Kombination.

 

Gerade sie macht aber der Sonntag nach Pfingsten zum Thema. Unter dem Namen Dreieinigkeits- oder Dreifaltigkeitssonntag kennen wir ihn oder lateinisch unter der Bezeichnung Trinitatisfest. Er markiert den Schlusspunkt im kirchlichen Festkalender und versucht ein Stück christlicher Theologie abzubilden. Wie kaum ein anderer steht er für das zähe Ringen um das richtige Verständnis unseres christlichen Glaubens, genauer unseres Gottesverständnisses. Just zu dem Zeitpunkt, als Kaiser Konstantin den christlichen Glauben im römischen Reich zu einer erlaubten und anerkannten Religion machte, brach die Frage nach dem Verhältnis von Gott und Jesus und dem Heiligen Geist mit aller Macht auf. Wie stehen Gottvater, der Sohn und der Heilige Geist zueinander? Sind sie einander untergeordnet oder gleichgestellt oder nur verschiedene Bezeichnungen für den einen Gott? Glauben wir an einen Gott oder an drei Götter? Unversehens kam es hierüber zur Parteienbildung. Man wog die unterschiedlichen Bibelstellen gegeneinander ab und versuchte sie zu gewichten. Beim Ringen um die richtige Antwort kam es zu gegenseitigen Exkommunikationen und Verbannungen mit entsprechend tiefen Wunden und Verletzungen auf allen Seiten, weil sich jede Seite im Recht glaubte. Doch kann es wirklich ein Rechthaben geben, wenn einem die richtigen Worte fehlen, um bei aller

Ernsthaftigkeit in wohlgesetzten Worten eine für alle befriedigende Antwort zu formulieren?

 

Das Trinitatisfest steht für den Versuch, Gottes Wesen mit menschlichen Worten und Begriffskategorien zu erfassen. Obwohl sich die gelehrtesten Köpfe und einflussreichsten Persönlichkeiten jener Tage an dieser Debatte beteiligt haben und über die Jahrhunderte ihnen darin viele gefolgt sind, konnte man sich am Ende nur auf vage und unvollkommene Beschreibungen Gottes verständigen, darauf nämlich, dass wir nach dem Verständnis des neuen Testaments an den Gott glauben, dessen Sohn Jesus Christus ist, und neben beiden der Heilige Geist als dritte Größe der Gottheit steht. In den Augen von Juden und Muslimen sind es drei unterschiedliche Götter, an die wir als Christen glauben. Aussagen Jesu wie „Ich und der Vater sind eins“ stehen dem aber entgegen und gehören mit zu unserem Glaubensfundament. Ist also Gott, der Vater, und Jesus, der Sohn, derselbe? Nein, nicht derselbe, wohl aber eine Einheit. Wie man sie sich aber denken soll, sind Fragen, die letztlich unser Denken und Definierungsvermögen übersteigen und ins Mysterium münden und damit in das Eingeständnis, dass es Fragen gibt, -auch und gerade im Bereich des Glaubens-, die nicht beantwortbar sind, sondern nur in aller Bescheidenheit mit einem Bekenntnis beantwortet werden können, -dem Bekenntnis zu Gott, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, die uns je gesondert gegenübertreten, aber letztlich doch untereinander zu einer Einheit verbunden sind, ähnlich dem beigefügten Bild. Es stellt Gott, den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist je für sich dar, aber doch dadurch verbunden, dass alle drei aus einem Stein heraus modelliert wurden und auf diese Weise bei aller Verschiedenheit miteinander verbunden sind und bleiben.

An diese Einheit möchte uns das Trinitatisfest erinnern, an die Einheit in der Verschiedenheit, und damit an den Gott, der sich uns auf dreifache Weise zugewandt hat, um uns seine Liebe zu erweisen und die Tür für eine Zukunft in seiner Nähe und Gegenwart zu öffnen.

In diesem Sinn dürfen wir das Dreinigkeitsfest begehen und uns über Gottes Liebe und Zuwendung freuen.

Pfr. Friedrich Reitzig, Kurseelsorger

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