Dr. Friedrich Reitzig, Pfr.i.R.
Dr. Friedrich Reitzig, Pfr.i.R.

Passion – die oder meine?

Liebe Leserinnen und Leser,

ein kleiner Zusatz, kann den Sinn eines Wortes von Grund auf verändern. Das lässt sich an der Überschrift schön durchbuchstabieren. Spricht man von „meiner Passion“, dann steht das für Leidenschaft, für Dinge, für die man gern alles stehen und liegen lässt, weil sie Spaß machen und interessieren. Auf diese Art von Passion lässt man sich gern ein. Ganz anders verhält es sich, wenn man „die Passion“ in den Blick nimmt. Nach den tollen Tagen von Fasching, Fasnet und Karneval steht diese Begriffskombination für ein regelrechtes Kontrastprogramm, versinnbildlicht durch den Aschermittwoch, an dem einem zum Zeichen der Einkehr und Umkehr in der katholischen Kirche Asche aufs Haupt gestreut wird. Entsprechend ist die Stimmung, die man mit der anschließenden Passionszeit verbindet. Da wird Fasten groß geschrieben und Freude klein. In unserer Eventgesellschaft ist das ein „No go.“ Für viele offenbart das Christentum damit, wie überholt es ist und nicht mehr zeitgemäß. Sie möchten diese Zeit der Einkehr und Umkehr am liebsten aus dem Kalender tilgen und durch Party ersetzen. Aber zeigt sich nicht genau an dieser Stelle ein grobes Missverstehen der Passion(szeit)?

Gewiss, die Passionszeit erinnert an unangenehme und schwer zu verstehende Ereignisse. Sie konfrontiert uns mit dem Leben Jesu, erzählt von seinem Leiden und Sterben. 2000 Jahre liegt das alles zurück und mancher fragt, warum soll ich mich damit noch beschäftigen? An Weihnachten hat man das Erscheinen Jesu gern mitgefeiert. Hier aber ist alle Romantik gewichen. Aus dem Kind ist ein Mann geworden, der einen Weg geht, der uns die Brutalität unserer Welt vor Augen führt. Dieser Weg konfrontiert mit den Schattenseiten des Lebens und unserer Welt. Im 1. Johannesbrief (3,8) wird dies so ausgedrückt: „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“ Das Böse bzw. der Böse wird zum Thema gemacht. Was das heißt, veranschaulicht uns die Passionszeit, indem sie uns an die einzelnen Wegstationen des Lebens Jesu heranführt und damit an das, wie durch das Böse bzw. den Bösen unsere Welt verunstaltet wird, - was als unter den Werken des Teufels zu verstehen ist. Viele mögen schmunzeln und einwerfen „Wer glaubt denn heute noch an den Teufel?“. Das ist doch ein Relikt aus dunkler Vergangenheit. Nun an den Teufel glauben sollen und brauchen wir nicht, wohl aber mit seiner Existenz rechnen. Das Böse ist ja allgegenwärtig. Man denke nur an Auseinandersetzungen wie die in der Ukraine, im Nahen Osten verbunden mit dem IS oder Boko Haram. Daneben stehen die vielen kleinen Nickigkeiten, die Intrigen im Großen wie im Kleinen, die Hinterlist, Verleumdungen, die bis zum Rufmord gehen und vieles andere mehr. Das alles nennt die Bibel „Werke des Teufels“, - Werke, die ihren Ursprung nicht im Guten haben, sondern Zerstörung und Unglück bringen.

Jesus hat es sich zur Aufgabe machen lassen, diesen Werken des Bösen den Kampf anzusagen, -doch nicht mit Kanonen und anderen Gerätschaften, sondern mit Liebe. Er war bereit, die Konsequenzen des Bösen in welcher Form auch immer auf sich zu nehmen und dafür zu sterben. Das Böse bzw. der Böse sollte unsere Welt und unser Leben nicht für immer in seiner Gewalt haben. Deshalb ist Jesus, der Sohn Gottes, auf dieser Welt erschienen, wurde ein Kind in der Krippe und schließlich der, der sich ans Kreuz schlagen ließ. Im Jesajabuch heißt es dazu: „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten.“

Genau dies möchte uns die Passionszeit vor Augen führen, den Heiland, der für uns in die Bresche springt, -der uns Heil bringt und uns heil machen möchte. Sein Leiden und Sterben ist die eine Seite der Medaille, die andere, dass er es für uns tat. Insofern möchte in all dem Schweren, das Jesus auf sich nahm, auch der Dank mitschwingen, dass er es für uns auf sich nahm, und wir bitten dürfen „… und bewahre uns vor dem Bösen.“ Die Passionszeit möchte uns also daran erinnern, dass da einer auf unsere Welt kam, dem wir unendlich wichtig und wertvoll sind, so dass er für uns bis in den Tod ging.

Dass wir ihn in diesem Wissen begleiten und uns im Spiegel seiner Liebe sehen lernen, möchte ich uns allen für die kommenden Tage wünschen.

Ihr Pfr. Friedrich Reitzig, Kurseelsorger.

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