Dr. Friedrich Reitzig, Pfr.i.R.
Dr. Friedrich Reitzig, Pfr.i.R.

Wenn ihr nicht umkehrt ...

Liebe Leserinnen und Leser!

Sätze, die so anfangen, hören wir nicht gern. Wie ein drohend erhobener Zeigefinger wirken sie. Die Kritik ist unverkennbar. Hier, so macht der Redner deutlich, läuft etwas schief. Umkehr ist angesagt, sonst …. Schnell schaltet man da auf Durchzug, hält sich innerlich wie äußerlich die Ohren zu, fühlt sich gekränkt und angegriffen. Denn wer lässt sich schon gerne einen Ruf zur Umkehr gefallen oder eine Rüge erteilen? Wir sind doch selber groß und wissen, was für uns gut und richtig ist. Je älter wir sind, desto selbstverständlicher beanspruchen wir dies für uns. Umkehren, das darf man gern anderen ins Stammbuch schreiben, aber uns nicht, davon sind wir nur zu schnell überzeugt.

 

Jesus nimmt mit diesen Worten seine Jünger ins Gebet. Sie waren mit der Streitfrage zu ihm gekommen, wer denn der Größte im Himmelreich sei. Es war die Frage nach der Rang- und Hackordnung im Jüngerkreis, der Frage von oben und unten, hinten oder vorn. Das wollten sie von Jesus geklärt haben. Und er klärt sie auf seine Weise, indem er ein Kind zu sich ruft und es in die Mitte stellt. Dieses Kind ist seine Antwort auf die Frage nach Rang und Namen im Jüngerkreis: „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder,“ sagt er ihnen und damit auch, was für euch wichtig und bedeutsam ist, ist für Kinder absolute Nebensache. Mit eurem Denken, seid ihr vollkommen auf dem Holzweg. Hier ist Umkehr, ein radikal neuer und anderer Denkansatz gefragt. Im Himmel zählt kein Rang oder Titel, kein Orden oder sonst eine Auszeichnung, sondern nur das Kindsein. Mehr nicht, aber auch nicht weniger.

 

Wie die Kinder werden, ist also angesagt. Das Kindsein ist der Schlüssel zum Himmel. Entspricht das unserem Denken? Ja, wie sollen wir das denken und verstehen? Kinder müssen doch erst noch etwas werden, ihren Platz im Leben finden, zeigen was in ihnen steckt. Sie gelten als unfertig und formungsbedürftig ganz im Gegensatz zu uns Erwachsenen, die ihren Platz gefunden haben und etwas geworden sind. Dieses Denken stellt Jesus radikal in Frage und meldet die Notwendigkeit der Umkehr an.

 

An Kindern sollen wir lernen, nicht dass wir etwas werden müssen und unreif und unfertig sind, sondern dass wir schon etwas sind, Kinder nämlich, von Gott geliebt und für ihn von unschätzbar großem Wert. Und weiter: Kinder sind, je kleiner sie sind, Menschen, die vom Vertrauen leben und deshalb vertrauensselig sind. Das macht sie verletzbar und angreifbar, ja, kann ihnen durchaus zur Gefahr werden, wenn sie auf Menschen treffen, die ihnen nicht wohl gesinnt sind. Doch von solch unverfälschten Vertrauen sollen und dürfen wir lernen, -von einem Vertrauen, das wir nicht in erster Linie Menschen entgegen bringen, sondern Gott. Denn Jesus steht dafür mit seiner Person ein, dass Gott uns wohlgesonnen ist und unser Bestes möchte. Deshalb die Mahnung, die eigentlich eine wohlmeinende und zielführende Einladung ist: „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“ (Mt. 18,3) Dass dieser Satz uns nicht nur durch den September begleiten möge, sondern durch jeden Tag unseres Lebens, wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen.

Pfr. Friedrich Reitzig, Kurseelsorger

 

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