Dr. Friedrich Reitzig, Pfr.i.R.
Dr. Friedrich Reitzig, Pfr.i.R.

Aus der Taufe leben …

Liebe Leserinnen und Leser,

aus der Taufe leben, so lautet traditioneller Weise das Thema des 6. Sonntags nach dem Dreieinigkeitsfest in der evangelischen Kirche. Möglicherweise muss man dies speziell in der evangelischen Kirche betonen, denn in der katholischen Kirche wird man ja bei jedem Kirchgang daran erinnert, weil man sich geradezu automatisch am Eingang mit Weihwasser bekreuzigt und so an seine Taufe erinnern lässt. Doch wie bei jeder Handlung, die einem in Fleisch und Blut übergegangen ist, droht auch hier die Gefahr des gedankenlosen Gebrauchs, -schlicht der Routine, über die es sich auch nachzudenken lohnt.

Leben aus der Taufe ist also ein gemeinchristliches Thema. Es zeigt an, dass christliches Leben etwas anderes sein soll als normales Leben. Es soll von der Taufe geprägt sein und damit von einer Zäsur. Denn die Taufe steht für einen Herrschaftswechsel und damit für einen Neuanfang. Das lässt sich besonders gut an der Taufformel erkennen, die die großen christlichen Konfessionen verbindet: „Ich taufe dich auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Eine ähnliche Formel kennen wir aus dem Bankwesen. Wer nämlich auf die Bank geht und Geld einzahlen möchte, wird in der Regel gefragt: „Auf welches Konto, bitte?“ Und dann kommt das Konto oder der Name, auf den der Betrag gutgeschrieben werden soll. Die Taufe ist also der Augenblick, in dem wir auf Gottes Konto gutgeschrieben wurden mit der Folge, dass wir fortan aus der Taufe leben sollen, sprich ausgerichtet an Gottes Wertmaßstäben und Handlungsanweisungen. Mit der Taufe wurden wir also einem neuen Herrn unterstellt. Ob uns dies immer so bewusst ist?

Viele mögen einwenden, wir wurden nicht gefragt, ob wir das woll(t)en. Unsere Eltern haben über uns entschieden. Wohl wahr, wenn wir als kleine Kinder getauft wurden. Es ändert aber nichts an dem vollzogenen Herrschaftswechsel. Es bleibt bei der Taufe. Sie lässt sich so wenig rückgängig machen wie unsere Geburt. Auch hier wurden wir ja nicht gefragt, -auch nicht, in welche Familie und in welche Lebensumstände etc. wir gerne hineingeboren werden wollten. Nein, vieles in unserem Leben ist gesetzt. Bei vielen auch die Taufe. Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir uns daran erinnern lassen, wohin wir gehören, welches die Rahmenbedingungen sind, in denen wir uns bewegen bzw. bewegen sollen und dürfen.

Dass es gute Rahmenbedingungen sind,  sprich exzellente Voraussetzungen für unser Leben, das zeigt sich an dem Bibelvers, der uns in diesem Zusammenhang zugesprochen wird: So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: „Fürchte Dich nicht! Ich habe Dich erlöst: ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen; Du bist mein! (Jes. 43,1)“ Mit diesem Zusage im Rücken oder in der Tasche dürfen wir getrost nach vorne blicken und uns unserer Taufe freuen, weil sie uns zugesagt, dass keiner von uns vergessen ist. Im Gegenteil, wir sind Gott so wichtig, dass er sich die Mühe macht, sich unseren Namen einzuprägen, -so wichtig, dass sein ganzes Sinnen und Trachten auf unsere Erlösung zielt. Das sind seine Rahmenbedingungen, die er uns über die Taufe mit auf den Weg durchs Leben gibt, und damit Zielperspektiven, die weit über unser gegenwärtiges Leben hinausreichen.

Sollte es da nicht angesagt sein, dass wir aus der Taufe leben, sprich uns gern von ihm sagen lassen, wie wir unser Leben gestalten sollen? Das Evangelium dieses Sonntags ist der Missions- und Taufbefehl Jesu. Dort wird uns Christen die Taufe aufgetragen und mit ihr die Verkündigung der frohen Botschaft von Jesus, dem Heiland der Welt. Er steht wie kein anderer für unsere Erlösung und hat uns vorgelebt, wie das Leben aus der Taufe aussehen soll. Es soll ein Leben sein, das das Wohl des Mitmenschen im Blick hat, -sein Bestes. Denn so lautet nach Jesu Worten ein wichtiger Leitvers aus der Bergpredigt: „Alles, was ihr wollt, das Euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch“ (Mt. 7,12). Was für ein Gesicht bekäme unsere Welt, wenn wir so lebten. Gott hätte gewiss seine Freude daran.

Ihr Pfr. Friedrich Reitzig, Kurseelsorger

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