Dr. Friedrich Reitzig, Pfr.i.R.
Dr. Friedrich Reitzig, Pfr.i.R.

Von Karfreitag nach Ostern

Altarbild in der Klosterkirche zu Königsbronn

 

Liebe Leserinnen und Leser!

„Ich war … oder es war einmal …“, so beginnen viele unserer Erzählungen und Mitteilungen. Ganz automatisch nehmen wir auf diesem Weg unser Gegenüber mit in ein Stück unserer Vergangenheit, das uns wichtig und bedeutsam erscheint, -zumindest für uns mitteilenswert ist. „Ich war …“, diese Worte machen neugierig und fragend, zeigen aber auch, dass der oder die Redende bereit ist, über Persönliches zu sprechen und es mit anderen zu teilen. Sie oder er signalisiert damit Offenheit und Nähe, -die Bereitschaft hinter die eigene Fassade blicken zu lassen, -Freude wie Leid mit anderen zu teilen, und hofft, sie lassen sich davon berühren!

 

„Ich war …“, so beginnt auch Jesus seine Rede an Johannes in der Offenbarung. Und was dann kommt, sprengt den Rahmen dessen, was  gängigerweise unsere Erzählungen und Berichte ausmacht. „Ich war tot.“ Das steht für eine tiefe und ungewöhnliche Zäsur, -für eine ganz andere Welt. Wer von uns kann davon berichten? – davon bewusst etwas erzählen? Vielleicht mehr als wir für möglich halten. Denn gestorben und wiederbelebt wird heute an vielen Stellen, -zumindest was das Herz anbelangt. Herzoperationen sind oft nur auf diesem Wege möglich. Und Reanimation, wie die Medizin es nennt, ist in vielen Bereichen, fast möchte man sagen, ärztliche Routine geworden. Ja, „ich war tot“, das kann heute dank moderner Medizin mancher von sich sagen. Doch ist es auch das, was Jesus hier über sich sagt?

 

„Ich war tot“, das steht bei Jesus nicht für irgendeinen künstlich herbeigeführten medizinischen Zustand, der mit modernsten technischen Mitteln wieder rückgängig gemacht werden kann. Nein, wenn Jesus an seinen Tod denkt, dann blickt er nicht in einen Operationssaal, sondern aufs Kreuz. Dann hat er sein Sterben als rechtskräftig verurteilter Verbrecher vor Augen, hingerichtet wegen staatsfeindlicher Umtriebe, so die Römer, und in den Augen der Juden wegen Gotteslästerung. Johannes der Täufer hingegen betonte: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“ (Joh. 1,29). Dafür steht Karfreitag. Das war und ist das Thema der Passionszeit, an deren Ende wir gerade stehen. Jesu selbst fasst es in die Worte, „der Sohn Gottes ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er sein Leben gebe zu einer Erlösung für viele“ (Mat. 20,28). Jetzt am Ende der Passionszeit, in der wir alle Stationen seines Leidens nochmals durchgegangen sind, dürfen wir mit Jesus bekennen „Es ist vollbracht!“ (Joh. 19,30)

 

Damit aber war die Geschichte Jesu nicht zu Ende, sondern hat erst richtig angefangen, denn so fährt Jesus fort „und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle“ (Offbg. 1,18). Nicht der Tod, nicht das Grab ist also das letzte, sondern das Leben, -und zwar von Ewigkeit zu Ewigkeit. Karfreitag steht für den Tod, -für das „es ist vollbracht!“, -Ostern dagegen für den Neubeginn, für das Leben, nicht nur im Blick auf Jesus, sondern auch und gerade im Blick auf uns. Denn was wir miteinander bedacht und uns vor Augen geführt haben, ist und war kein isoliertes Einzelgeschehen, -kein persönliches Schicksal, das Jesus traf, sondern etwas, das mit Blick auf uns geschah, -das unsere Erlösung zum Inhalt hatte und deshalb mit uns und unserem Leben untrennbar verbunden ist und bleibt. Nun hat einer die Schlüssel zu Tod und Hölle in Händen und ist in der Lage, Bereiche aufzuschließen, die uns bisher verschlossen waren. Ostern, das große Fest der Freiheit, denn so sagt Jesus: „Wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen“ (Joh. 5,24).

 

Ja, Jesus möchte Türen öffnen und mit uns die Hoffnung und das Leben teilen. Ostern zeigt: „Der Tod ist verschlungen vom Sieg. … Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus“ (1. Kor. 15, 54+57). Sein Tod ist also unser Sieg, denn Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Deshalb: Er war tot und siehe, er lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit und hat die Schlüssel des Todes und der Hölle. Oder anders formuliert: „Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!“

 

Mit den besten Wünschen zum Ausklang der Passionszeit und zum Osterfest

Kurseelsorger Friedrich Reitzig, Pfr.

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